Alles meins!

Ich sitze ja schon seit längerem immer auf Mamas Schoß und wippe mich vor und zurück. Bisher hat mir das auch genug Spaß gemacht. Doch neuerdings habe ich entdeckt, wie viel besser ich durch das Wippen an den Tisch mit den vielen interessanten Sachen drauf komme. Und egal, was ich dort sehe, ich muss es einfach haben, es ist alles so aufregend. Leider gibt Mama mir nur Sachen, die für Babys geeignet sind. Wenn ich an die anderen Sachen will, muss ich mich echt anstrengen, aber es lohnt sich. Ich habe so schon viel geschafft: Die Fernbedienung vom Fernseher in den Mund genommen, Mamas Glas, wo noch ein bißchen Wasser drin war, umgekippt und interessiert zugeguckt, wie das Wasser sich auf dem Boden verteilt hat und noch vieles mehr.

Eure Mia

Ganz leise

Wenn ich nachts bei Mama getrunken habe, darf ich danach ja immer im großen Bett schlafen. Wir liegen dann noch lange, nachdem der Papa schon zur Arbeit gegangen ist, im Bett und schlafen. In letzter Zeit war ich öfter schon wach, während Mama noch geschlummert hat. Das war ein bißchen langweilig, aber dann habe ich entdeckt, dass man sich prima mit seinen Händen und Füßen unterhalten kann. Das habe ich aber immer ganz leise im Flüsterton gemacht, damit die Mama noch weiterschlafen konnte.

Eure Flüster-Mia

Papas Haare

Ich hatte ganz vergessen zu erzählen, dass ich am letzten Wochenende entdeckt habe, dass man nicht nur an Mamas langen Haaren super ziehen kann.

Das kam so: Ich lag auf der Couch und Papa saß neben mir und hat seinen Kopf über mich gebeugt, so dass der ganz nah vor meinem Gesicht war. Da hab ich gemerkt, wie toll auch Papas Haare riechen und hab sie mit beiden Händen festgehalten und näher zu meiner Nase gezogen. Das fand Papa nicht ganz so witzig.

Als Mama und Papa das Johannas Eltern erzählt haben, haben die gesagt, dass es bald noch besser kommt, denn Stufe 2 heißt reinbeißen. Ich bin gespannt, wann ich darauf Lust bekomme. Raubtiergeräusche mache ich ja schon genug…

Eure Mia

Herz-Untersuchung

Heute ist Mama wieder mit mir in das große Haus gefahren, wo lauter Kranke und Doktors sind. Das hatte sie mir ja vor zwei Tagen schon angekündigt. Dort sollte ein Ultraschall von meinem Herz gemacht werden. Nachdem wir endlich sowohl einen Parkplatz, als auch einen Parkschein hatten, mussten wir uns zweimal zum Untersuchungsraum durchfragen. Dort angekommen hat Mama mich bis auf die Pampers nackig gemacht und ich hab so Klebeteile auf meine Brust gekriegt. An meinen Armen und Beinen wurden mit Gürteln kleine Metallplättchen befestigt und überall wurden Schläuche reingesteckt. Dann musste Mama mich festhalten, damit ich nicht zapple und das Ergebnis verfälsche, aber weil da so eine tolle Drachenspieluhr hing und ich zur Bestechung auch noch was Süßes auf meinen Nucki gekriegt hab, ist mir das stillhalten nicht ganz so schwer gefallen. Dann wurde ich wieder abgekabelt und das tat doch ein bißchen weh, denn die Klebeteile haben so geziept. Nachdem noch mein Blutdruck gemessen war, der mit 110/90 ganz normal für ein Baby meines Alters ist, hat Mama unsere Sachen genommen und die Schwesterfrau hat mich, nackelig wie ich war, in ein anderes Zimmer getragen.

Dort wartete schon der Ultraschalldoktor (Mama sagt Kardiologe zu dem) und hat noch den Bericht von dem Baby, das vor mir dran war, diktiert. Dann kam er zu uns, hat sich meine Akte angeguckt und bemerkt, dass wir ja schonmal da waren. Ein echter Schlaumeier! Aber weil er schon so alt und vergesslich ist, musste Mama nochmal erzählen, was ich habe und warum er mich nochmal sehen wollte. Beim ersten Ultraschall von meinem Herz war das ja etwas groß für mein Alter, weil die Mama, als ich noch in ihrem Bauch war, ganz viel Zucker im Blut hatte und heute wollte er nochmal nachgucken, ob das immer noch so ist.

Ich wurde also abgehört und dann kam dieses kalte eklige Gel auf meine Brust und der Doktor ist mit so einem Pömpel immer dadrauf hin und her gefahren. Da konnte ich mein Herzchen auf dem Monitor neben mir bubbern sehen, das war interessant. Aber nicht so interessant, dass ich nicht doch ein bißchen zappeln und den Pömpel fangen wollte. Also hat Mama meine Händchen festgehalten und versucht, mich mit dem Fähnchen-Lied abzulenken. Damit hat sie immer Erfolg, das ist einfach zu interessant für mich und der blöde Pömpel war so gut wie vergessen. Bis der Doktor einen Doppler gemacht hat und mein Herz ganz fauchige Geräusche gemacht hat. Da dachte ich kurz, ich hätte einen Drachen in der Brust. War aber doch nicht so.

Dann meinte der Doktor noch, er müsste sich auch nochmal von Mama erzählen lassen, was ich mit meinen Beinen und so kann. Meine Cele musste ich natürlich auch herzeigen und er hat Mama “nur aus Interesse” gefragt, ob sie die faule Säure genommen hat, als ich in ihrem Bauch war. Das hat mich ja schon etwas wütend gemacht, jeder Doktor will das sehen und fragt diese Fragen. Deshalb hab ich getreten und mich weggedreht. Das hat der Doktor dann auch eingesehen.

Während Mama mich angezogen hat, hat der Doktor meinen Bericht diktiert und der ging ungefähr so: Mia O., 5 1/2 Monate alter weiblicher Säugling, geb. am 22.10.2007 wurde heute wegen der geplanten OP nochmals zur Untersuchung des Herzmuskels vorgestellt. Nach der Geburt war der Muskel aufgrund diätetisch eingestellter Gestationsdiabetes der Mutter verdickt. Dies hat sich komplett zurückgebildet, das EKG zeigt eine normale Sinuskurve. Das Kind ist somit kardiologisch unauffällig und zeigt auch aufgrund der Meningomyelocele keine motorischen Ausfälle.

Mein kleiner Motor ist also ganz gesund.

Eure geschallte Mia

PS: Der Bericht war natürlich voll mit lateinischen Fachbegriffen, die ich selbstredend super verstehe, aber ihr solltet euch ja nicht überfordert fühlen und auch mitkriegen, worum es geht!

Heute bei Frau Doktor

Mama hat mich heute morgen mal wieder eingepackt und mich erst zum Einkaufen und dann zu Frau Doktor gefahren. Dort wollten wir eine Überweisung für meine Herz-Untersuchung am Freitag und eine Einweisung für das Geschnippel, das die in 3 Wochen an mir machen wollen, abholen. Wir waren natürlich auch wieder bei Frau Doktor im Zimmer. Diesmal durfte ich sogar schon in ein normales Behandlungszimmer und musste nicht in dem Zimmer warten, in dem die ganz kleinen Babies immer sind. Ich bin ja auch schon groß.

Ich wurde also mal wieder ausgezogen und Frau Doktor hat mich angeguckt und gewartet, was ich wohl für Bewegungen mache. Besonders versessen war sie aufs Getretenwerden. Ich hab ihr natürlich den Gefallen getan, nachdem sie mich ein paar Mal lieb gebeten hatte und hab kräftig mit meinen Beinen zugetreten und gedrückt. Das hat ihr wohl gefallen, denn sie hat mich gelobt. Mama hat dann nochmal alles aufgezählt, was ich schon so anstelle und auch gesagt, dass meine Zähne im Anmarsch sind. Dann hat sie noch was wegen meinem Köpfchen gefragt, weil sich meine Fontanelle auf einmal anders anfühlt, aber Frau Doktor hat sich das genau angeguckt und auch gefühlt und das haben wohl alle Babies. Nachdem mein Kopfumfang nochmal kontrolliert worden war, war Mama  schon wieder zufrieden und beruhigt, da ist alles in Ordnung.

Zum Schluss wurde ich noch gewogen. Stolze 6.130 g bringe ich nun auf die Waage. Da ist mir mal wieder aufgefallen, was für komische Ansichten Erwachsene doch haben: Wenn wir Kinder sind, freuen sie sich wie die Schneekönige über jedes Gramm, das wir zunehmen, aber wehe, wir werden größer und wollen nur Süßigkeiten essen, dann sagen sie, das geht nicht, wir werden zu schwer! Das muss wohl was mit dem Laufen und Sprechen lernen und stillsitzen und ruhig sein zu tun haben.

Darüber werde ich nochmal nachdenken.

Eure schwere Mia