Juhu, alles ist gut!

Wie ihr ja bestimmt schon bemerkt habt, war ich in der letzten Woche quasi verreist. Und zwar bin ich mit Mami, einem großen Koffer und meinem überquellenden Wickelrucksack in das große Haus gefahren, wo wir schon ein paar Mal waren. Diesmal sollten wir für länger als nur für eine kurze Untersuchungs-Stippvisite bleiben.

Am Donnerstag, den 24.04. war es soweit, um 10.00 Uhr waren wir da und ich wurde in der Aufnahme von einem Doktor, den ich (wie soll es auch anders sein?) schon kenne, untersucht und Mama wurde darüber informiert, was die Doktors alles machen wollen, wenn sie mich aufschneiden.  Dann durften wir nach oben auf die Station, wo ich auch schon zweimal war und weil unsere Betten noch nicht frisch bezogen waren, durften wir in der Spielecke warten, wo Johanna auch schon mal war, als sie nicht zu mir durfte. Irgendwann waren die Schwestern aber fertig mit den Betten und wir durften in unser Zimmer, wo schon ein Mädchen mit seiner Mama war. Mama hat unsere Sachen ausgepackt und in den Schrank gelegt, während ich in meinem Bett lag und schon mal ein bißchen gespielt hab.  Als Mama fertig war, kam eine Praktikantenschwester angelaufen, um mich zu wiegen und zu fragen, was ich esse und wieviel. Das Wiegen fand ich jetzt nicht so lustig, weil ich stillhalten sollte. Dazu hatte ich keine Lust, ich hab ganz schön gezappelt. Was ich esse, war ja einfach zu beantworten: Hauptsächlich Mamimilch. Aber wieviel kann man schlecht sagen, Mama hat ja keine Messskala an der Brust. Also meinte die Praktikantenschwester, Mama müsste mich vor und nach dem Essen wiegen. Wenn ihr denkt, meine Mama hat da zugestimmt, kennt ihr sie aber schlecht. Dass sie der armen Praktikantenschwester nicht den Piepmatz gezeigt hat, war echt alles. Sie hat nämlich gesagt, so ein Theater macht sie nicht, sie schreibt nur auf, wann ich wie lange trinke, außerdem würde ich ja mittags noch eine Flasche wollen und abends Brei und ich sähe ja wohl nicht verhungert aus. Damit musste sich die Praktikantenschwester dann wohl zufrieden geben. Nachmittags kam die Schlafärztin vom letzten Mal, als ich in der Röhre war und auch schlafen musste, hat mich abgehört und hat mit Mama nochmal besprochen, wie lange ich wohl trinken darf und dass ich zur Not auch einen Schuss Saft ins Wasser haben darf, wenn ich partout kein pures Wasser trinken will. Tee mag ich ja schon gleich gar nicht. Dann kam eine andere Frau Doktor und hat Mama und mich ins Untersuchungszimmer gebracht. Dort hat sie mich in mein Köpfchen gepiekt und war ganz glücklich, dass ich vor Wut und Schmerz ganz doll geweint hab, denn sie sagte, es käme dadurch schön viel Blut und das brauche sie. Danach hatten wir aber für den Rest des Tages unsere Ruhe, abends hab ich gerade meinen Brei verputzt, als der Papa uns besuchen kam, da hab ich mich gefreut. Nachts musste Mama mich diesmal gar nicht wecken, damit ich nochmal trinke, ich bin schon von allein aufgewacht und hab Mamas Brüste nochmal richtig leer gemacht.

Am Freitag, den 25.04. war es dann soweit. Mama hat mich um kurz vor 7 geweckt, mich ausgezogen, nochmal Temperatur gemessen (das sollte mir nun bis zum Nachhausegehen dreimal am Tag bevorstehen) und dann durfte ich nochmal baden. Nach dem Baden hat Mama mir ein weißes Kleidchen angezogen, das man hinten gar nicht richtig zumachen konnte und meine schicke Hello-Kitty-Hose. Als ich auf dem Wickeltisch lag, hab ich dann das erste Mal die Meisterleistung vollbracht und mich vom Rücken auf den Bauch gedreht. Mama konnte das allerdings nicht richtig würdigen, da sie mich fast aus der Badewanne fischen musste, in die ich beinah gefallen wäre. Sie hat mich ganz viel gedrückt und noch mehr geküsst als sonst und mir ganz oft gesagt, dass sie mich lieb hat, dass ich ihr Bestes bin und dass sie auf mich wartet. Der Papa kam auch schon ganz früh, hat mich auf den Arm genommen und gedrückt und geküsst und dann musste ich in mein Bett, damit die Schwester mir einen Schlafsaft geben konnte. Der war eklig. Ich lag also in meinem Bett und mir wurde ein bißchen komisch und ich hab Mama und Papa ganz groß angeguckt. Die standen nämlich beide an meinem Bett und haben ein bißchen geweint. Das konnte ich gar nicht verstehen. Die Schwester kam bald wieder und ich wurde in meinem Bettchen zum Fahrstuhl geschoben. Wir sind nach unten gefahren und schon mussten Mama und Papa mir “Tschüss” sagen. Das haben die beiden auch gemacht und mir versprochen, dass ich sie bald wiedersehe und dass ich bis dahin ganz tapfer sein soll. Ich hab´s zwar nicht mehr gesehen, aber die Schwester hat mir erzählt, dass Mama und Papa schon wieder geweint haben, als ich durch die Tür war. Ich bin dann einen langen Flur entlanggeschoben worden und durch eine Tür, wo ich eine Maske aufs Gesicht bekam. Durch die komische Luft, die da raus kam, bin ich richtig eingeschlafen, so dass die Ärzte mich pieken, verkabeln, aufschneiden und wieder zunähen konnten. Sie haben mir meine Cele am Rücken weggemacht und in mir drin alles an den richtigen Platz gerückt.

Von den nächsten Stunden und Tagen weiß ich nicht mehr viel, nur, dass Mama und Papa ihr Versprechen gehalten haben und da waren, als ich wach wurde und dass ich gaaaaaaanz lange auf dem Bauch liegen musste, was mir gar nicht gefallen hat, wenn ich wach war. Aber ich war nicht oft wach, ich habe ganz viel geschlafen. Sogar getrunken hab ich im Halbschlaf. Mamimilch und Fertigmilch aus der Flasche. Das war irgendwie komisch.

Ich habe allerdings bemerkt, wie Mama und Papa an meinem Bett saßen und schon wieder geweint haben. Diesmal, weil sie so glücklich waren, dass sie mich wieder hatten und ich alles gut überstanden hatte und auch ein bißchen, weil ich ihnen so leid tat mit den ganzen Schläuchen und Kabeln an mir dran.

Eigentlich sollte ich schon am Samstag von der Intensiv-Station wieder auf unser Zimmer kommen, aber durch die OP, die Narkose  und die Bauchlage wollte mein kleines Herzchen auf einmal nur noch sehr langsam schlagen, deshalb musste ich noch dableiben und durfte erst am Sonntag wieder zu Mama aufs Zimmer. Da konnte ich es aber gar nicht mehr abwarten, ich hatte solche Sehnsucht nach Mama, dass ich gaaanz viel und laut geweint habe. Das hat die Intensiv-Schwester dazu veranlasst, bei Mama auf Station anzurufen, damit sie kommt. Das hat sie auch gemacht und schon ging es mir besser. Sie hat mein Spielzeug geholt und mich bespaßt. Gegen 11 Uhr hab ich Hunger gekriegt und Mama hat mir ihre Milch aus der Krankenhausflasche angeboten. Das wollte ich aber nicht, also ist der Papa geflitzt und hat meine eigene Flasche geholt, weil alle dachten, die kenne ich, vielleicht mag ich die lieber. Aber die wollte ich auch nicht. Nachdem ich noch ein Schmerzzäpfchen hatte, weil alle dachten, mir täte vielleicht noch was weh, sind wir dann in unser Zimmer gefahren. Dort wollte ich immer noch nicht aus der Flasche trinken, obwohl ich nun wirklich offensichtlich Hunger hatte. Mama dachte schon, es wäre was mit der Milch nicht in Ordnung. Dann hat sie aber endlich das getan, was ich wollte: Sie hat die Brust ausgepackt und ich durfte bei ihr trinken. Mensch, war das toll! Die Milch war so lecker, so warm und so süß und Mama hat so gut gerochen und war ganz nah, auf einmal ging es mir schon viel besser. Und Mama hat sich ganz doll gefreut, weil ich SIE wollte und nicht die Flasche.

Die nächsten Tage waren sehr stressig für mich, weil das Mädchen, das mit uns auf dem Zimmer war, dauernd geweint hat und gaaaaanz viel Besuch bekommen hat. Ich hab am Montag auch Besuch von Oma und Opa O. bekommen, die waren aber nicht so lange da, weil Mama und ich so müde waren.

Am Montag musste ich auch einen neuen Tropf an mein Köpfchen kriegen, weil die Tropfs an meinen Händchen beide kurz hintereinander kaputt gegangen sind und ich brauchte ja noch Bakterien-kaputt-mach-Medizin dadrüber. Allerdings ist dieser Tropf in der Nacht auch schon wieder kaputt gegangen und Frau Doktor hat gesagt, nun bräuchte ich keinen Neuen mehr.

Am Dienstag kamen Oma und Opa V. mich besuchen und haben sich gefreut, dass es mir so gut geht. Außerdem hat mich gefreut, dass das andere Mädchen in ein neues Zimmer kam und ich mich somit endlich besser erholen konnte. Abends kam ein anderes Baby in unser Zimmer, das hat zwar nicht geweint, aber laut geatmet. Das hat mich aber nicht besonders gestört.

Am Mittwoch wurde ich für 24 Stunden an ein Überwachungsgerät angeschlossen und musste schon wieder nur im Zimmer und meistens auch im Bett bleiben. Die Kabel haben mich echt genervt, weil ich mich damit nicht viel bewegen konnte und ich hab immer wieder daran gezogen. Aber am Donnerstag kam das Gerät schon wieder weg.

Am Freitag wurden dann noch zwei Untersuchungen mit mir gemacht, einmal ein EEG, bei dem mir mit Gummibändern ganz viele Elektroden an den Kopf gemacht wurden und ich still halten sollte, damit meine Gedanken gelesen werden konnten und mal wieder ein Ultraschall von meiner Blase und den Nieren. Das kenne ich ja schon, aber dieses eklige kalte Gel mag ich immer noch nicht. Allerdings fand ich den Ultraschall diesmal sehr interessant und aufschlussreich, der Doktor wusste nämlich sofort, dass ich Mamimilch zu trinken bekomme. Meine Eierstöcke sind nämlich durch die Hormone in der Milch vergrößert, das ist normal und geht wieder weg, wenn ich keine Mamimilch mehr haben möchte.

Und am Samstag war es endlich soweit: Nachdem ich zum 25.000. Mal untersucht worden war und Frau Doktor mein Pflaster abgemacht und meinen Faden gezogen hatte, hat Mama unsere Sachen eingepackt und der Papa, der auch schnell kam, hat uns geschnappt und ist mit uns nach Hause gefahren.

Mama sagt, seitdem ich im MaxiCosidurch die Wohnungstür getragen wurde, sei ich fast ein anderes Kind. Ich habe schon im Krankenhaus angefangen, einen richtig großen Entwicklungsschub zu machen: Ich liege nun gern ein paar Minuten auf dem Bauch ohne zu motzen. Ich greife dabei mit meinen Händen nach Spielzeug oder anderen Sachen, die vor mir liegen und die ich haben will. Auch sonst hole ich mir mein Spielzeug, das um mich rum verteilt liegt mit meinen Händen ran, wenn ich es haben will. Ich finde ganz viele Sachen urkomisch und muss mich darüber scheckig lachen. Ich drehe mich, wenn ich genug Platz habe, vom Rücken auf den Bauch. Ich bin fröhlicher und ausgeglichener und kann mich insgesamt besser bewegen, vor allem, wenn ich auf dem Rücken liege und mich drehen will.

Das ist jetzt ein wirklich langer Bericht geworden, aber es haben so viele Menschen an mich gedacht, die Daumen gedrückt, für mich gebetet und gehofft, dass ich ganz gesund werde, da wollte ich, dass die auch ganz genau wissen, wie alles war.

Eure veränderte Mia Lara

P.S. Mama sagt, dadurch, dass das Lipom endlich weg ist, hab ich einen richtigen Knackpopo bekommen. Mensch mensch, so jung und ich hab schon eine Schönheits-OP hinter mir!

2 Gedanken zu “Juhu, alles ist gut!

  1. Hallo kleine große Mia!
    Wir freuen uns mit Dir und Deinen Eltern, dass Du die OP endlich hinter dir hast und dass Du alles so gut überstanden hast!
    Ganz ganz liebe Grüße und alles Liebe und Gute wünschen Alex, Thorsten, Janice und Ruby

  2. Hallo liebe Mia-Maus,
    auch wir freuen uns riiiieeeesig, dass du die OP so gut überstanden hast und jetzt wieder ganz die alte (mit einer Beule weniger) bist!
    Wir haben viel an dich gedacht und dir gaaanz feste die Daumen gedrückt!
    Liebe Grüße
    Heike, Kai und Sara