Hochzeit

Eigentlich wollte ich ja warten, bis die Johanna selber davon berichtet, aber irgendwie ist die wohl zu sehr mit Zähnekriegen beschäftigt.

Letzten Mittwoch waren wir bei Johannas Großeltern im Garten. Da waren ganz viele Pavillions, Tische und Bänke und ein Holzfußboden auf dem grünen Teppich aufgebaut. Es waren auch ganz viele Leute da und die haben vor der Garage alle ein paar Teller und Tassen und Schüsseln auf den Boden geschmissen und sich dabei doll gefreut. Das verstehe ich nicht. Wenn bei uns zuhause was auf den Boden fällt, schimpft Mama immer oder ist traurig. Naja, all zu viele Gedanken konnte ich mir darüber auch nicht machen, denn ich habe meinen alten Bekannten, den Storch, wieder gesehen. Der stand nämlich auf der Garage und hat sich das alles beguckt.

Nach dem Geschirrzerschmeißen gab es irgendwann Würstchen und Brötchen und ganz viel zu trinken. Laute Musik war auch da und die Leute haben auf dem Holzfußboden getanzt. Ich hab auch getanzt. Einmal als Polinäse mit Papa und einmal mit Mama und einmal mit Mama und Papa. Davon war ich dann so müde, dass ich auf Mamas Arm eingeschlafen bin. Das ist mir ja schon lange nicht mehr passiert. Polterabend hieß das Ganze übrigens, weil das Geschirr beim Zerschmeißen so poltert.

Am Freitag sind Mama und ich schon früh unterwegs gewesen, nachdem wir uns schick gemacht haben. Und zwar sind wir nach Waltrop zum Stehamt gefahren. Dort waren schon ganz viele Leute, die wir nicht kannten und ein paar, die wir doch kannten. Irgendwann kamen dann auch Johanna und ihre Eltern. Ich war in der Zwischenzeit schon bei Johannas Oma Fee geparkt worden und auf einmal war die Mama mit dem Thorsten und dem Andreas weg. Die kamen auch nicht wieder, obwohl alle ins Stehamt reingehen sollten. Also hat die Oma Fee mich, meinen Wagen und Mamas Tasche mitgenommen, weil Mama ja verschollen war. Sie haben uns aber doch noch wiedergefunden und endlich hat die Stehamtsfrau angefangen zu reden.

Sie hat erst den Johannapapa gefragt, ob er freiwillig die Johannamama für immer behalten will und dann hat sie die Johannamama auch gefragt, ob sie den Johannapapa freiwillig haben will. Beide haben Ja gesagt, deshalb heißt die Johannamama jetzt genauso wie der Johannapapa und die Johanna, nämlich Rower. Während dem ganzen Frage-und Antwortspiel haben Johanna und ich uns den Saal mal genauer angeguckt.

Danach hat Mama mich auf den Arm genommen und ist zu Johannas Eltern gegangen. Die Johannamama und die Johannaoma hatten ihr Augenwasser gar nicht unter Kontrolle, das lief da einfach raus. Und Mama hat auch so glänzige Augen gehabt. Die Erwachsenen sind komisch. Naja, jedenfalls wurden die Johannaeltern von uns beiden gedrückt und geküsst und dann ging´s raus zum Reisschmeißen, Sekttrinken und Fotos machen. Dann sind wir nach Hause gefahren.

Am Samstag sind wir schon wieder früh aufgestanden. Der Papa hat den Kuchen, den die Mama am Freitag noch schnell gemacht hat, zur Johannaoma gefahren und Frühstück geholt. Nach dem Frühstück kam die Ricarda und hat in Mamas Haaren rumgefummelt, so dass die später ganz komisch aussahen. Sowas hat die Mama sonst nie, aber es sah hübsch aus. Dann wurde ich gebadet, der Papa hat, nachdem er meinen Stuhl ins Auto verfrachtet hatte, geduscht und wir haben uns alle ganz schick angezogen.

Und schon sind wir dahin gefahren, wo Johanna und ich unsere Badestunde hatten. Da hat die Mama dem Johannapapa erstmal die Sara abgenommen, weil die geweint hat und der Johannapapa ja keine Zeit hatte. Die Saraeltern waren irgendwie gar nicht da. Aber dann war da wieder der Mann im Kleid, der mir das Wasser über den Kopf gemacht hat und noch ein anderer Mann. Der hatte auch ein Kleid an. Die sind vor der Saramama, dem Sarapapa, dem Johannaonkel, der Hannah (die ist ja mit dem Johannaonkel verliebt), dem Johannaopa und der Johannamama in die Kirche gelaufen. Dann haben die alle ein bißchen geredet und gesungen und der Johannapapa musste der Johannamama versprechen, dass er sie für immer lieb hat und die Johannamama musste dem Johannapapa versprechen, dass sie ihn für immer lieb hat. Da hatte die Mama schon wieder Wasser in ihren Augen. Das konnte ich aber nicht so genau sehen, denn die Mama hatte die ganze Zeit die Sara auf dem Arm und die war genauso artig wie Johanna und ich. Aber nach dem Bittebittemachen hat sie sie wieder der Saramama gegeben, denn sie musste am Ende der Messe ganz schnell raus.

Da haben sich nämlich ein paar Leute mit Holzdingern hingestellt und eine Menge Krach gemacht. Und dann war da noch ein weißes Gesinenauto ohne Dach. Das fand die Johannamama toll. Aber bevor sie mit dem Johannapapa da einsteigen durfte, mussten die beiden noch ein Herz aus Bettlaken auschneiden und durchsteigen. Dann ging es aber endlich los. Der Johannaopa ist vorgefahren, weil er einen tollen Weg kannte und dann kam das Gesinenauto und weil Mama und Papa so einen tollen Parkplatz hatten, kam dann schon unser Auto. Wir sind losgefahren und haben gaaaaaaaanz viel und laut gehupt. Der Johannaopa kannte einen so tollen Weg, dass ich eingeschlafen bin.

Als wir da waren, gab es für mich lecker Mittagessen, denn das hatte ich ja ausgelassen, weil ich so toll gefrühtstückt hatte und für die anderen Kaffee und Kuchen. Danach sind die meisten Gäste zum Fotos machen verschwunden und wir Übriggebliebenen haben uns im Garten die Frösche angegeguckt und an ein paar Überraschungen für das Brautpaar gearbeitet.

Dann gab es irgendwann Abendessen und danach haben Mama und Papa ihr Geschenk übergeben, das sie sich mit Ricarda, Dino und Thorsten ausgedacht hatten. Das mussten sich die Johannaeltern aber erst mal erarbeiten. Ich glaube aber nicht, dass denen das viel ausgemacht hat, die haben viel gelacht dabei.

Dann wurde angefangen zu tanzen, das hat viel Spaß gemacht. Zwischendrin gab es immer wieder Spiele und Sketche für die Johannaeltern. Das war lustig. Papa darf jetzt im November einen Adventskalender basteln.

Ich habe zwischendurch in meinem Wagen ein Nickerchen eingelegt, deshalb hab ich es so lange ausgehalten, bis die 2. Hochzeitstorte angeschnitten worden, der Schleiertanz getanzt und der Brautstrauß geworfen war und noch ein bißchen länger. Wir waren erst um 01.30 Uhr zuhause. Ich bin auf der Nachhausefahrt im MaxiCosi eingeschlafen und erst um 04.30 Uhr aufgewacht. Da hat Mama mich dann rausgeholt und ganz normal ins Bettchen gelegt. Irgendwann wollte ich dann noch zu Mama und Papa ins Bett und richtig aufgestanden sind wir dann so gegen 11.00 Uhr. Mama sagt, dass ihre Füße gestern abend dann endlich richtig aufgehört haben mit dem Wehtun.

Das waren viele aufregende Tage für mich, an die ich noch lange zurückdenken werde. Nochmal danke an alle, die das möglich gemacht haben, vor allem an die Johannaeltern!

Eure hochzeitsbegeisterte Mia

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