Herz-Untersuchung

Am Dienstag kam Mama schon wieder in mein Zimmer, als ich noch geschlafen habe. Ich bin aber sofort wach geworden und Mama hat mir aus dem Bett geholfen und mich fix und fertig angezogen. Dann sollte ich frühstücken, aber ich wollte nicht so richtig. Sonst frühstückt Mama immer mit mir zusammen und dass sie das nicht gemacht hat, hat mich irritiert. Also wurde ich ohne richtiges Frühstück zum Auto verbracht. D. h. eigentlich hab ich mich selber dahin verbracht, ich laufe ja jetzt immer zur Garage.

Mama hat mich angeschnallt und ist schon wieder mit mir in das große Haus gefahren, wo die Doktors wohnen. Heute wollten wir einen Doktor besuchen, der mein Herz sehen wollte. Unsere Frau Doktor hat da letztens mal wieder so Geräusche gehört, die da nicht sein sollen und deshalb sollten die Doktors in dem großen Haus mal genau gucken, was da so los ist.

Zuerst wurde ich auf die Liege gesetzt und bis auf Pampers und Socken ausgezogen. Dann hat eine Schwester nasse Läppchen und Gummigürtel mit einer Metallplatte dran an meine Arme und Beine geschnallt. Danach hat sie noch so Klebeteile mit Plastiksteckdosen dran auf meine Brust gemacht. Irgendwie kam mir das alles bekannt vor. Ich war da nämlich vor einem Jahr schon mal. Damals brauchte ich 4 Kleber, diesmal waren es schon 6. Anscheinend bin ich gewachsen. In diese Plastiksteckdosen kamen Kabel und dann musste ich mich hinlegen und sollte mich am besten nicht bewegen – schon wieder. Warum muss man beim Untersuchen denn immer ruhig halten, wo ich doch sonst immer gesagt bekomme, es sei so gut, dass ich mich toll bewegen kann? Naja, es dauerte ja nicht lange und ich durfte mich wieder hinsetzen und mir an den Klebern rumfummeln. Ich wurde entkabelt und Mama hat mir die Kleber abgerissen. Dann wurde mein Blutdruck gemessen: 101/38. Das war ok. Gemessen und gewogen wurde ich auch noch: 78 cm und 10,6 kg. War wohl auch gut.

Ich wurde wieder angezogen und wir sind auf den Flur spielen gegangen, weil wir noch etwas auf die nächste Untersuchung warten mussten. Das hat mich etwas verwirrt, Mama hat mir nur was von EINER Untersuchung gesagt und jetzt waren es auf einmal schon zwei! Da hat sie wohl geflunkert, denn sie war gar nicht verwirrt.

Endlich durften wir dann in das andere Zimmer und die Ärztin (häh, da war doch sonst immer ein Arzt in dem Zimmer! Noch mehr Verwirrung, ich krieg die Tür nicht zu) hat sich noch schnell meine Akte angeguckt und Mama erzählen lassen, wieso wir da sind. Als nächstes hat sie gesagt, dass sie jetzt schon sagen kann, dass sie an meinem Herz nichts Schlimmes finden wird. Ich dachte, toll, können wir jetzt wieder spielen gehen? Aber nein, ich wurde erst abgehört und bekam mal wieder ekligen Glibber auf mich drauf geschmiert und so ein Pömpel kam an. Super, schon wieder still halten. Nee, ich hatte keinen Bock mehr. Also hab ich los gelegt mit Zappeln und Schreien. Kein Nucki oder Buch oder Löffel konnte mich ablenken.  So klappte die Untersuchung nicht, denn wenn ich geweint habe, war Luft vor meinem Herzen und die Frau Doktor konnte nichts sehen. Ich durfte mich hinsetzen und endlich hat Mama was aus der Tasche geholt, was mir gut tat: Kekse und Trinken. Ich bekam in jede Hand einen Keks und immer, wenn ich einen aufgegessen hatte, kam sofort der Nächste. So lob ich mir das, fahren wir öfter zu der Untersuchung? Während des Essens durfte ich auch noch fernsehen. Die Sendung hieß “Mias Herz” und war sehr interessant. Mein Herz war abwechselnd blau und rot und da kam auch ein Drache drin vor. Der hat was gefaucht und wenn ich gesungen habe, hat der anders gefaucht. Mama hat gesagt, das war mein Herz, das gefaucht hat, aber ich glaub das nicht, ich hab einen Drachen in der Brust, jawohl!

Auf jeden Fall war das Ergebnis der Untersuchung wie immer: alles in Ordnung. Das Geräusch ist ein sehr leises unauffälliges Geräusch, das manche Kinder halt einfach haben. Wenn jetzt nichts mehr dazwischen kommt, muss ich wegen meinem Herz nicht mehr in das Haus, wo die Doktors wohnen, das find ich toll. Kekse krieg ich ja auch zuhause.

Eure Drachenherz-Mia

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